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Hanföl: Verwendung und Unterschied zu CBD-Öl

Flasche mit grünlich-goldenem Hanföl und eine Schale Hanfsamen auf einem Holztisch in einer Bauernküche

Höchstens 7,5 Milligramm THC pro Kilogramm darf Hanföl enthalten. So steht es seit 1. Jänner 2023 im EU-Recht, und die AGES verweist dafür auf die Verordnung (EU) 2023/915. Für CBD-Öl legt diese Verordnung keinen Wert fest. Der Grund ist schlicht: Als Lebensmittel dürfte CBD-Öl gar nicht verkauft werden.

Im Regal stehen beide oft nebeneinander, die Namen klingen fast gleich, und Hanföl ist eines der Öle, in denen CBD-Extrakte gelöst werden. Trotzdem sind es zwei verschiedene Produkte. Hanföl wird aus den Samen gepresst und ist ein gewöhnliches Speiseöl. CBD-Öl ist ein Extrakt aus Blüten und Blättern, gelöst in einem Öl.

Warum die Samen kein THC enthalten

Hanföl, im Handel auch Hanfsamenöl genannt, wird aus den Samen der Nutzhanfpflanze gepresst. Die Samen selbst enthalten kein THC. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt das botanisch: THC entsteht im Harz von Drüsenhaaren, die auf der ganzen Pflanze sitzen, besonders dicht an den Blütenständen. Nur Samen und Wurzel haben keine.

In Spuren kann THC trotzdem ins Öl gelangen. Kommen die Samen bei der Ernte mit Blüten und Harz in Berührung, werden sie verunreinigt. Für diese Spuren gelten Höchstgehalte: 3 Milligramm pro Kilogramm für Samen, Hanfsamenmehl und Hanfprotein, 7,5 Milligramm für das Öl. Gerechnet wird in THC-Äquivalenten, in die auch die Vorstufe THCA einfließt.

Auch das Suchtmittelrecht zieht die Linie bei den Samen. Die Suchtgiftverordnung nimmt Samen und Blätter ausdrücklich aus, solange sie nicht mit Blüten- oder Fruchtständen vermengt sind. Was das für Kauf, Besitz und Anbau bedeutet, erklärt der Beitrag über Hanfsamen.

Hanföl oder CBD-Öl: die Trennlinie im Lebensmittelrecht

Ob ein Produkt in der EU frei als Lebensmittel verkauft werden darf, hängt an der Frage, ob es hier schon nennenswert gegessen wurde. Für Hanfsamen, gemahlene und entfettete Samen und Hanfsamenöl ist diese Verzehrgeschichte belegt. Der Novel-Food-Katalog der EU-Kommission stuft sie deshalb als nicht neuartig ein.

Für Hanfextrakte mit Cannabinoiden gilt das Gegenteil. Laut dem Katalogeintrag „Cannabinoids“ sind sie neuartige Lebensmittel, ebenso jedes Produkt, dem ein solcher Extrakt zugesetzt wird. Als Beispiel nennt der Katalog ausdrücklich Hanfsamenöl. Schon der Zusatz eines CBD-Extrakts macht aus dem Speiseöl also ein Novel Food, und dafür gibt es keine Zulassung. Die AGES hält fest: „Ein Inverkehrbringen ist damit nicht zulässig.“ Wie der Handel damit umgeht und was CBD-Öl sonst ausmacht, steht im Beitrag über CBD Öl.

Hanföl (Hanfsamenöl)CBD-Öl
AusgangsstoffSamen der NutzhanfpflanzeBlüten und Blätter, wo die Drüsenhaare sitzen
Cannabinoidekeine als Inhaltsstoff, THC nur als VerunreinigungCBD als Hauptstoff, dazu je nach Extrakt weitere Cannabinoide
THC-Grenze7,5 mg pro kg als Lebensmittel-Höchstgehalt0,3 Prozent als Grenze des Suchtmittelrechts für Nutzhanfprodukte
Lebensmittelrechtkein neuartiges Lebensmittelneuartiges Lebensmittel ohne Zulassung
Verwendungkalte Küchekein Speiseöl

Die beiden THC-Grenzen in der Tabelle verfolgen unterschiedliche Zwecke und lassen sich nicht direkt vergleichen. Die Größenordnung zeigt trotzdem, wie weit die Welten auseinanderliegen: 0,3 Prozent sind 3.000 Milligramm pro Kilogramm, das 400-Fache dessen, was in Hanföl stecken darf.

Was in Hanföl steckt: fünf Sorten im Labor

In der Fachliteratur wird Hanföl gern mit einem Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 von 3 zu 1 beschrieben. Zwei Laboranalysen mit insgesamt fünf Nutzhanfsorten zeigen, dass dieser Wert nur für einen Teil der Sorten stimmt. Untersucht wurden kalt gepresste Öle, die Angaben sind Anteile an allen Fettsäuren.

SorteLinolsäure (Omega-6)Alpha-Linolensäure (Omega-3)Gamma-LinolensäureÖlsäureOmega-6 zu Omega-3
Futura 7556,2 %17,7 %2,3 %12,3 %3,2 zu 1
USO 3151,4 %15,4 %2,0 %16,7 %3,4 zu 1
Silvana51,9 %14,4 %3,6 %16,3 %3,9 zu 1
Armanca49,4 %12,6 %3,2 %18,7 %4,3 zu 1
Teodora51,5 %9,9 %2,5 %22,8 %5,5 zu 1

Quellen: Universität Messina, 2022 (Futura 75, USO 31) und Universität für Lebenswissenschaften Timișoara, 2025 (Silvana, Armanca, Teodora). Verhältnis aus den Summen der Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren.

Gemeinsam ist allen Proben, dass Linolsäure rund die Hälfte der Fettsäuren stellt und mehrfach ungesättigte Fettsäuren mit 64 bis 78 Prozent dominieren. Beim Omega-3 liegen sie weit auseinander. Teodora kommt auf knapp 10 Prozent Alpha-Linolensäure, Futura 75 auf fast 18. Umgerechnet liefern 10 Gramm Hanföl je nach Sorte zwischen 1,0 und 1,8 Gramm der pflanzlichen Omega-3-Fettsäure. Die beiden italienischen Öle enthielten außerdem 82 bis 101 Milligramm Tocopherole, also Vitamin-E-Verbindungen, pro 100 Gramm.

Der Körper wandelt Alpha-Linolensäure nur zu einem kleinen Teil in die Fettsäuren EPA und DHA um, die in Fisch und Algen stecken. Die Zahlen dazu stehen im Beitrag über Nährwerte von Hanfsamen, eine Übersicht über Omega-3-Quellen und Zufuhrempfehlungen unter https://biohacking-longevity.at/supplements/omega-3/.

Kein Vorteil beim Cholesterin

Hanföl hat den Ruf eines besonders gesunden Öls. Für die Blutfette lässt sich das nicht belegen. Eine Netzwerk-Metaanalyse des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung und der Universität Wien wertete 2018 insgesamt 54 Studien zu 13 Ölen und Fetten aus. Das LDL-Cholesterin senkten Distelöl und Rapsöl am stärksten. Für Hanföl waren die Schätzungen so unsicher, dass sie von einem leichten Vorteil bis zu einem leichten Nachteil gegenüber den anderen Pflanzenölen reichten.

Wer ein Öl für die Blutfette sucht, ist mit Rapsöl also mindestens so gut beraten. Hanföl ist eine Geschmacks- und Abwechslungsfrage, kein Heilmittel.

Auf der Haut wird Hanfsamenöl vor allem wegen seiner Fettsäuren eingesetzt. Wie man es auf Kosmetik-Etiketten von CBD unterscheidet und warum für CBD in Cremes eigene Regeln gelten, steht im Beitrag über CBD-Kosmetik.

In der Küche: kalt verwenden, dunkel lagern

Die vielen ungesättigten Fettsäuren machen Hanföl wertvoll und zugleich empfindlich. Das Forschungsteam aus Messina nennt es ein Paradox: Was das Öl nahrhaft macht, macht es chemisch instabil. Für die Küche folgt daraus eine einfache Regel, die auch das Schweizer Radio SRF formuliert: Je höher der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, desto weniger verträgt ein Öl Hitze. Hanföl gehört mit Leinöl, Walnussöl und Kürbiskernöl zu den Ölen, die man nicht erhitzt.

Gut passt es in Salatsaucen und zu kalten Vorspeisen. Zum Braten nimmt man ein anderes Öl.

Licht schadet ebenso wie Wärme. In der Analyse aus Timișoara enthielten die Öle 6,2 bis 8,3 Milligramm Chlorophyll pro Kilogramm. Der Farbstoff reagiert auf Licht und Hitze und kann dabei den Abbau der Fettsäuren anstoßen, das Öl wird schneller ranzig. Dunkle Flasche, kühler Schrank und ein fest verschlossener Deckel halten es länger frisch.

Wie viel THC verträgt man? Die Rechnung an der Obergrenze

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für THC eine akute Referenzdosis von 1 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Bis zu dieser Menge, an einem Tag aufgenommen, ist keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten. Abgeleitet ist sie laut BfR von 2,5 Milligramm pro Person, bei denen Wirkungen auf Nervensystem und Kreislauf beobachtet wurden, geteilt durch einen Sicherheitsfaktor von 30.

Der Höchstgehalt von 7,5 Milligramm pro Kilogramm entspricht 7,5 Mikrogramm pro Gramm Öl. Daraus lässt sich ausrechnen, ab welcher Menge ein Öl, das genau an der erlaubten Grenze liegt, die Referenzdosis erreicht:

KörpergewichtAkute ReferenzdosisHanföl an der Obergrenze, das diese Menge enthält
20 kg20 µg THC2,7 g
30 kg30 µg THC4,0 g
50 kg50 µg THC6,7 g
70 kg70 µg THC9,3 g
90 kg90 µg THC12,0 g

Die Rechnung beschreibt den ungünstigsten erlaubten Fall, nicht den Durchschnitt. Laut BfR haben die meisten Hanfsamenöle so geringe THC-Gehalte, dass sie toxikologisch unbedenklich sind. Überschreitungen der Referenzdosis sind vor allem mit Ölen zu erwarten, die viel THC enthalten, und Kinder sind wegen ihres geringen Körpergewichts stärker gefährdet.

Für den Salat spielt das keine Rolle. Wer Hanföl aber löffelweise als Nahrungsergänzung nimmt oder Kindern gibt, sollte wissen, dass ein Öl an der erlaubten Grenze schon mit wenigen Gramm die Referenzdosis erreicht.

Woran man ein reines Hanföl erkennt

Die Zutatenliste eines reinen Hanföls ist kurz: Hanfsamenöl. Stehen dort zusätzlich Hanfextrakt, CBD oder Cannabidiol, ist es kein Speiseöl mehr, sondern ein Produkt, das in der EU nicht als Lebensmittel verkauft werden darf.

Mit Haschischöl hat Hanföl nur den halben Namen gemeinsam. Haschischöl ist ein THC-reicher Extrakt aus Cannabisharz und fällt unter das Suchtmittelgesetz. Wie sich Marihuana, Haschisch und Haschischöl unterscheiden, erklärt der Überblick über Cannabis.

Stand: Oktober 2026. THC-Höchstgehalte nach Verordnung (EU) 2023/915, Einstufung als Lebensmittel nach dem Novel-Food-Katalog der EU-Kommission.