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Die Hanfpflanze

Handförmiges Hanfblatt mit gezackten Fingern in Nahaufnahme

Innerhalb von nur rund sechs Monaten wächst eine Hanfpflanze auf eine Höhe, für die ein Baum Jahre braucht. Diese Wachstumsgeschwindigkeit ist einer der Gründe, warum Hanf zu den ältesten und vielseitigsten Kulturpflanzen der Menschheit zählt – lange bevor er zur Rauschpflanze wurde.

Typische Merkmale der Hanfpflanze

Charakteristisch sind der meist hohe, schlanke Wuchs und die handförmig gefingerten Blätter mit gezacktem Rand, die je nach Sorte und Position an der Pflanze zwischen einem und dreizehn Blättchen tragen – am häufigsten sind sieben bis neun. Botanisch werden meist drei Formen unterschieden: Cannabis sativa, Cannabis indica und der kleinwüchsige, selbstblühende Cannabis ruderalis. Das Hanfblatt-Motiv ist seit der Gegenkultur der 1960er- und 1970er-Jahre zu einem weltweit erkennbaren Symbol geworden, unabhängig davon, ob die abgebildete Pflanze überhaupt psychoaktiv wirksam ist.

Lebenszyklus: von der Keimung bis zur Reife

Vom Samen bis zur Erntereife durchläuft eine Hanfpflanze vier Phasen. Die Keimung dauert nur zwei bis sieben Tage, danach folgt über zwei bis drei Wochen die empfindliche Sämlingsphase mit den ersten echten Blättern. In der anschließenden vegetativen Phase (zwei bis acht Wochen) konzentriert sich das Wachstum auf Wurzeln, Stängel und Blätter, bevor in der sechs- bis zwölfwöchigen Blütephase die Blüten gebildet werden. Insgesamt vergehen von der Keimung bis zur Ernte im Schnitt drei bis fünf Monate – abhängig von Sorte, Standort und Lichtverhältnissen.

Männlich, weiblich oder zwittrig: das Geschlecht erkennen

Zuverlässig bestimmen lässt sich das Geschlecht meist erst vier bis sechs Wochen nach der Keimung, in der sogenannten Vorblütephase. Weibliche Pflanzen zeigen an den Astansätzen kleine grüne Kelche, aus denen zwei feine weiße Härchen in V-Form wachsen. Männliche Pflanzen bilden stattdessen runde bis eiförmige Pollensäcke in den Blattachseln, meist traubenförmig angeordnet und ohne Härchen. Nur die unbefruchteten weiblichen Blüten entwickeln nennenswerte Mengen THC – befruchtet eine männliche Pflanze eine weibliche, bildet diese vor allem Samen statt harzreicher Blüten.

Seltener treten Hermaphroditen auf: Pflanzen, die durch Stress – etwa unregelmäßiges Licht, Hitze, Verletzungen oder genetische Instabilität – sowohl weibliche Härchen als auch männliche, oft länglich-bananenförmige Pollensäcke ausbilden. Für gezielte Züchtung sind sie unerwünscht, weil sie sich selbst befruchten und den Ertrag an unbefruchteten Blüten schmälern können.

Die Pflanzenteile und ihre Verwendung

Nur die unbefruchteten Blüten der weiblichen Pflanze bilden nennenswerte Mengen THC und sind damit für die Rauschwirkung verantwortlich. Alle anderen Pflanzenteile lassen sich unabhängig davon nutzen: Aus den Stängelfasern entstehen Seile, Textilien und Papier, aus den Samen Öl und Lebensmittel, aus den holzigen Schäben Dämmstoff und Baumaterial. Mehr zu den einzelnen Verwendungszwecken von Nutzhanf, den zulässigen Sorten in der EU und der industriellen Nutzung als Baustoff steht im Cannabis-Artikel.

Ein historisches Beispiel für die Faserverwendung: Papier aus jener Zeit wurde meist aus Lumpen gewonnen – Alttextilien aus Hanf, Flachs und Leinen -, nicht aus Holzzellstoff wie heute üblich. Auch die um 1455 gedruckte Gutenberg-Bibel entstand großteils auf solchem Lumpenpapier mit Hanf- und Leinenanteil, was zur bis heute vergleichsweise guten Erhaltung vieler Exemplare beiträgt. Von einer reinen „Hanfpapier-Bibel“ zu sprechen wäre allerdings ungenau – Hanf war einer von mehreren Faserstoffen, nicht der einzige.

Eine kulturbegleitende Pflanze

Funde von Hanfabdrücken auf jungsteinzeitlicher Keramik und in frühen Textilresten belegen eine Nutzung, die mehrere Jahrtausende zurückreicht – ursprünglich stammt die Pflanze vermutlich aus Zentralasien. Diese lange, parallel zur menschlichen Kulturgeschichte verlaufende Nutzung hat Hanf in der Ethnobotanik den Begriff „kulturbegleitende Pflanze“ eingebracht: eine Art, deren Verbreitung eng mit menschlicher Besiedlung und Wirtschaft verknüpft ist.

Warum Hanf auf fast jedem Boden wächst

Ein Grund für die weltweite Verbreitung liegt in der genügsamen Biologie der Pflanze. Die Hauptwurzel reicht bei lockerem Boden bis zu 150 Zentimeter tief – deutlich tiefer als bei vielen anderen einjährigen Nutzpflanzen – und erschließt damit Wasser- und Nährstoffreserven, die flacher wurzelnden Arten verwehrt bleiben. Diese Tiefenwurzelung lockert gleichzeitig verdichtete Böden und macht Hanf zu einer beliebten Zwischenfrucht vor anspruchsvolleren Kulturen wie Getreide. Kombiniert mit dem schnellen oberirdischen Wachstum unterdrückt die Pflanze zudem Beikraut allein durch Beschattung, weitgehend ohne Herbizide.

Ist der Anbau einer Hanfpflanze in Österreich legal?

Hier gilt eine österreichische Besonderheit, die aber differenzierter ist, als oft dargestellt. Nach dem Suchtmittelgesetz gelten als Suchtgift die blühenden und fruchttragenden Teile der Cannabispflanze, aus denen Harz nicht entfernt wurde – Samen und unbefruchtete Blätter ohne anhaftende Blüten- oder Fruchtteile sind davon ausdrücklich ausgenommen. Entscheidend ist zudem der Vorsatz: Strafbar ist der Anbau, wenn er auf die Gewinnung von Suchtgift abzielt. Das Oberlandesgericht Wien hat entschieden, dass Anbieter von Cannabis-Sämlingen als Zierpflanzen nicht automatisch strafbar sind, solange sie keine Anleitung zum Blühenlassen geben und keinen Vorsatz zur Suchtgiftgewinnung erkennen lassen.

In der Praxis bedeutet das: Samen besitzen und Keimlinge ohne Blüten ziehen bewegt sich in einem von Gerichten anerkannten, aber weiterhin als „juristischer Graubereich“ bezeichneten Raum. Sobald die Pflanze Blüten ausbildet, wird der Besitz unabhängig von der Pflanzenzahl strafbar – Grow-Shops betreiben ihre Sämlinge deshalb oft dauerhaft unter künstlichem Dauerlicht, um die Blüte gezielt zu verhindern. Wer selbst zieht und die Kontrolle über den Blühzeitpunkt verliert, trägt das rechtliche Risiko selbst. Für eine verbindliche Einschätzung des Einzelfalls ist anwaltliche Beratung ratsam, keine pauschale Regel aus dem Internet.

Die Rechtslage im Vergleich: Deutschland, Niederlande, Uruguay

International reicht die Bandbreite weit über Österreichs Sonderregel hinaus. In Uruguay dürfen registrierte Privatpersonen bis zu sechs Cannabispflanzen zu Hause anbauen – das Land legalisierte den gesamten Cannabis-Markt bereits 2013 als eines der ersten weltweit. Kanada erlaubt seit 2018 bis zu vier Pflanzen pro Haushalt. In den Niederlanden ist der Verkauf über Coffeeshops seit Jahrzehnten geduldet, der legale Anbau zur Belieferung dieser Shops wurde aber erst mit einem 2023 gestarteten Pilotprojekt eingeführt, um deren Versorgung aus einer kontrollierten, legalen Quelle sicherzustellen. Deutschland wiederum erlaubt seit dem Cannabisgesetz von 2024 den Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen für Erwachsene – Details dazu und zur aktuellen Rechtslage in mehreren EU-Ländern stehen im Cannabis-Artikel.