hanf-infos.at - Ihr Online Magazin rund um Hanf & CBD

CBG (Cannabigerol): Wirkung, Studienlage und Rechtslage

Blühende Spitzen junger Nutzhanfpflanzen auf einem Feld im Morgenlicht

Bis zu 10 Prozent der Cannabinoide in einer gewöhnlichen Hanfpflanze sind CBG. Gezüchtete Sorten, in denen die Umwandlung in andere Cannabinoide gebremst ist, kommen auf bis zu 90 Prozent. Am Menschen ist der Stoff dagegen kaum untersucht. Drei placebokontrollierte Studien aus den Jahren 2024 bis 2026 hatten 12, 34 und 63 Teilnehmende.

Rechtlich ist CBG in Österreich kein Suchtmittel. Als Lebensmittel darf es trotzdem nicht verkauft werden, und im Wettkampfsport ist es bis Ende 2026 verboten.

Was CBG ist: die Vorstufe von THC und CBD

CBG steht für Cannabigerol. Isoliert wurde es 1964 aus Haschisch, so eine Übersichtsarbeit der Medizinischen Universität Białystok. In der Pflanze entsteht zuerst die Säureform CBGA, aus Olivetolsäure und Geranyl-Diphosphat. Aus CBGA bauen Enzyme dann die Säurevorstufen von THC, CBD und CBC. Was nicht umgewandelt wird, bleibt als CBGA übrig und wird durch Wärme zu CBG. Deshalb trägt CBGA den Spitznamen „Mutter aller Cannabinoide“.

In einer gewöhnlichen Pflanze bleibt so wenig übrig, dass CBG höchstens etwa ein Zehntel der Cannabinoide stellt. Erst Züchtungen, in denen die umwandelnden Enzyme weniger aktiv sind, erreichen bis zu 90 Prozent. Warum es bei den Wirkstoffen auf die weiblichen Blüten ankommt, erklärt der Beitrag über die Hanfpflanze.

Eine Kuriosität am Rand: CBG hat mit C21H32O2 dieselbe Summenformel wie HHC. Gleiche Atome, anders angeordnet, und damit ein ganz anderer Stoff. HHC wirkt ähnlich berauschend wie THC, CBG nicht.

An den Cannabinoid-Rezeptoren liegt CBG in Bindung und Aktivität zwischen THC und CBD, fasst eine Übersichtsarbeit der Penn State University zusammen. Eigene Angriffspunkte hat es an den Alpha-2-Adrenozeptoren und am Serotoninrezeptor 5-HT1A. Einen Rausch löst es nicht aus. Wie THC den Rausch auslöst, erklärt der Beitrag über THC.

Was die Studien am Menschen zeigen

StudieTeilnehmendeAufbauErgebnis
Washington State University, 202434 gesunde Erwachsene, die Cannabis konsumierenje eine Einnahme von CBG und Placebo, zu Hause per Videocall begleitetkurz nach der Einnahme weniger Angst und Stress als mit Placebo, besseres Wortgedächtnis, keine Beeinträchtigung
Studie mit US-Veteranen, 202563 Menschen mit Schlafproblemen, 35 ohne größere Abweichungen bis zum Ende4 Wochen CBG oder PlaceboSchlaf besserte sich in beiden Gruppen, kein signifikanter Unterschied, gut verträglich
Johns Hopkins University, 202612 gesunde Erwachsenesteigende Einzeldosen und eine Placebogabekeine Nebenwirkungen durch CBG, kaum spürbare Effekte, Leberwerte im Normbereich

Das positive Ergebnis stammt aus der kleineren der beiden Wirkungsstudien, mit einer einzigen Einnahme. Die Autorinnen und Autoren nennen selbst die Grenzen: Getestet wurden Menschen, die ohnehin Cannabis konsumieren, und die vielen statistischen Vergleiche wurden nicht korrigiert. Finanziert hat die Studie eine Firma, die selbst mit CBG arbeitet. Die längere Studie an Veteranen fand beim Schlaf keinen Unterschied zum Placebo.

Wer CBG gegen Angst oder Schlafprobleme kauft, stützt sich damit auf sehr wenig. Selbst das Team der Johns Hopkins University, dessen Ergebnisse zur Verträglichkeit günstig ausfielen, hält Studien mit längerer Einnahme für nötig, bevor sich über Sicherheit und Wirkung mehr sagen lässt.

Eine Pilotstudie der University of Massachusetts zeigte, dass CBG nach einer fettreichen Mahlzeit deutlich besser ins Blut gelangt als nach einer fettarmen. Wie verbreitet der Stoff schon ist, zeigt eine repräsentative Befragung aus den USA: 1,3 Prozent der Erwachsenen hatten CBG schon einmal verwendet, die meisten aus gesundheitlichen Gründen.

Labor und Tierversuch: viele Hinweise, keine Belege

Die Liste der Laborbefunde ist lang. Übersichtsarbeiten der Penn State University und der Universität Messina nennen entzündungshemmende Effekte bei Darmentzündungen in Mäusen, Wirkung gegen Bakterien, Schutz von Nervenzellen in Modellen der Huntington-Krankheit und einen gesenkten Augeninnendruck. In einem Rattenmodell der rheumatoiden Arthritis an der Karls-Universität Prag gingen 2025 Schwellung und Steifigkeit zurück.

Ob sich davon etwas auf Menschen übertragen lässt, ist offen. Die Laborbefunde mahnen auch zur Vorsicht. Eine Übersichtsarbeit der Medizinischen Universität Białystok verweist 2025 auf Berichte über schädliche Effekte hoher CBG-Dosen auf Aufbau und Funktion der Leber. In Mäusen senkte CBG den Blutdruck. Und an der Universität Porto störte CBG in Zellversuchen die Funktion von Plazentazellen. Die Forschenden halten negative Folgen für die Schwangerschaft für möglich. Für Schwangere ist das ein Grund zur Zurückhaltung.

Wechselwirkungen: was über die Leberenzyme bekannt ist

Abgebaut wird CBG laut der Übersichtsarbeit aus Messina in der Leber über das Enzym CYP2J2. Wichtiger für Menschen, die Medikamente nehmen, ist ein Befund der Universität Basel von 2023. Ein Cannabisextrakt, der hauptsächlich CBG enthielt, hemmte im Reagenzglas die Enzyme CYP2C9 und CYP3A4 stärker als Extrakte mit THC und CBD. Über diese Enzyme werden viele Arzneimittel abgebaut, darunter Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ. Die Basler Forschenden raten bei Medikamenten mit engem Wirkbereich zur Vorsicht, egal welcher Cannabisextrakt verwendet wird.

An der University of Florida hemmte CBG im Labor zusätzlich das Leberenzym Carboxylesterase 1, das ebenfalls Arzneimittel abbaut. Beide Befunde stammen aus Zellversuchen. Wer Blutverdünner oder andere Dauermedikamente nimmt, sollte CBG trotzdem nur nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheke verwenden. Für CBD gilt dieselbe Vorsicht, wie der Beitrag über CBD Öl beschreibt.

Rechtslage in Österreich: kein Suchtmittel, kein zugelassenes Lebensmittel

CBG selbst steht in keiner Liste des österreichischen Suchtmittelrechts. Entscheidend ist bei CBG-Produkten etwas anderes: der THC-Gehalt. Blüten und Extrakte von Cannabis sind nach der Suchtgiftverordnung Suchtgift. Ausgenommen sind Produkte aus zugelassenen Nutzhanfsorten, wenn ihr THC-Gehalt vor, während und nach der Herstellung 0,3 Prozent nicht übersteigt.

Im Lebensmittelrecht ist die Lage eindeutig. Der Eintrag „Cannabinoids“ im Novel-Food-Katalog der EU-Kommission nennt CBG ausdrücklich. Extrakte mit nicht psychoaktiven Cannabinoiden gelten als neuartige Lebensmittel, synthetisch hergestellte Cannabinoide ebenso. Zugelassen ist keines davon. Die AGES schreibt dazu, dass cannabinoidhaltige Öle und Extrakte in der EU zugelassen sein müssen und eine solche Zulassung derzeit nicht vorliegt. CBG-Öle, Kapseln oder Fruchtgummis dürfen in Österreich also nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung verkauft werden.

Für Sportlerinnen und Sportler gilt bis Jahresende eine strenge Regel. Die Verbotsliste 2026 der Welt-Anti-Doping-Agentur untersagt im Wettkampf alle natürlichen und synthetischen Cannabinoide, mit CBD als einziger Ausnahme. CBG fällt darunter. Das betrifft nicht nur reine CBG-Produkte. In einer Studie der Liverpool John Moores University nahmen Gesunde zehn Wochen lang ein Breitspektrum-CBD-Produkt mit CBG-Spuren. Danach fand sich CBG im Harn von 42 Prozent der Proben vor dem Training und von 74 Prozent danach.

Ab 1. Jänner 2027 ändert sich die Formulierung. Die neue Verbotsliste verbietet dann THC sowie halbsynthetische und synthetische Cannabinoide, die die Wirkung von THC nachahmen. Die Pauschalregel für alle natürlichen Cannabinoide entfällt. Ein nicht berauschendes Cannabinoid wie CBG fällt damit nicht mehr unter den Wortlaut. THC bleibt verboten, und Produkte aus der Hanfpflanze können THC enthalten.

BereichWas für CBG gilt
SuchtmittelrechtCBG nicht gelistet; Produkte aus Nutzhanf bis 0,3 Prozent THC ausgenommen
Lebensmittel und Nahrungsergänzungneuartiges Lebensmittel ohne Zulassung, Verkauf nicht zulässig
Wettkampfsport 2026verboten, CBD ist die einzige Ausnahme
Wettkampfsport ab 2027vom neuen Wortlaut nicht mehr erfasst, THC bleibt verboten

Stand: Oktober 2026. Rechtslage nach Suchtgiftverordnung, Novel-Food-Katalog der EU-Kommission und den WADA-Verbotslisten 2026 und 2027.