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Medizinisches Cannabis in Österreich: Rezept, Ärzte und Kosten

Arzt schreibt ein Rezept neben einem Stethoskop auf einem Holzschreibtisch

Medizinisches Cannabis ist in Österreich legal – ein Detail geht dabei aber oft unter: Getrocknete Cannabisblüten dürfen in österreichischen Apotheken nicht abgegeben werden. Wer sich „Cannabis auf Rezept“ wie in einer klassischen Blüten-Packung vorstellt, liegt damit daneben.

Was in Österreich tatsächlich verschreibbar ist

Statt unverarbeiteter Blüten stehen in Österreich zwei Wege offen: zugelassene cannabinoidhaltige Fertigarzneimittel wie Sativex (ein Mundspray aus Cannabisextrakt mit festem THC-CBD-Verhältnis, zugelassen für Spastik bei Multipler Sklerose) sowie magistral in der Apotheke angefertigtes Dronabinol, reines THC in Tropfen- oder Kapselform. Beide Wege benötigen ein Suchtgiftrezept mit klar definierter medizinischer Indikation. Was genau Dronabinol ist, wie es hergestellt wird und was es kostet, erklärt der Artikel zu Dronabinol im Detail.

Der Weg zum Rezept

Verschrieben wird medizinisches Cannabis von Ärztinnen und Ärzten mit entsprechender suchtgiftrechtlicher Berechtigung, meist im Rahmen einer Fachbehandlung bei chronischen Schmerzen, Spastik, chemotherapiebedingter Übelkeit oder ausgeprägtem Appetitverlust. Eine Überweisung an eine spezialisierte Schmerz- oder Palliativambulanz ist in der Praxis oft der schnellere Weg als die Suche nach einer Hausärztin oder einem Hausarzt, die oder der bereit ist, ein Suchtgiftrezept auszustellen – viele Praxen scheuen den administrativen Aufwand oder haben wenig Erfahrung mit der Verschreibung. Nicht jede Apotheke führt zudem magistral hergestelltes Dronabinol; wer ein Rezept hat, sollte vorab klären, welche Apotheke die Zubereitung anbietet.

Kosten und Kostenübernahme

Medizinisches Cannabis wird von der gesetzlichen Krankenversicherung in Österreich nicht automatisch übernommen. Die Kostenübernahme setzt in der Regel eine Chefarzt-Bewilligung voraus und ist nur möglich, wenn das jeweilige Präparat im Erstattungskodex (EKO) gelistet ist – andernfalls tragen Patientinnen und Patienten die Kosten selbst, die bei Dronabinol je nach Dosis mehrere hundert Euro im Monat erreichen können. Diese finanzielle Hürde trifft besonders chronisch Kranke, die auf eine dauerhafte Behandlung angewiesen sind, und ist neben der Arztsuche einer der am häufigsten kritisierten Aspekte der österreichischen Cannabis-Medizin.

Wie viele Menschen medizinisches Cannabis nutzen

Verlässliche, aktuelle Patientenzahlen sind für Österreich schwer zu finden – die zuletzt öffentlich bekannten Daten stammen aus dem Jahr 2018 und nannten zwischen 7.000 und 8.000 Patientinnen und Patienten. Seither ist die nach Österreich importierte Menge an medizinischem Cannabis Berichten zufolge deutlich gestiegen, was auf eine wachsende Zahl an Behandlungen schließen lässt, ohne dass sich das in einer offiziellen, aktuellen Statistik sauber nachvollziehen ließe. Diese Lücke selbst ist bezeichnend für den Zustand der Cannabis-Medizin in Österreich: Der Zugang existiert, wird aber weder zentral erfasst noch systematisch ausgewertet.

Warum es in Österreich keine Cannabisblüten auf Rezept gibt

Anders als in Deutschland, wo seit 2017 auch standardisierte medizinische Cannabisblüten verschrieben werden dürfen, hat sich Österreich bewusst auf verarbeitete Präparate beschränkt. Der Anbau der dafür verwendeten Cannabispflanzen unterliegt seit einer Novelle des Suchtmittelgesetzes 2008 einem staatlichen Monopol der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die daraus vor allem den Rohstoff für Dronabinol und verwandte Zubereitungen gewinnt – nicht aber verkaufsfertige Blüten für Apotheken. Diese engere Regulierung wird von Patientenvertretungen regelmäßig kritisiert, weil sie den Zugang gegenüber dem deutschen Nachbarland zusätzlich erschwert, während Befürworter auf die bessere Standardisierbarkeit verarbeiteter Präparate verweisen.

Stand: Juli 2026. Rechtslage, Kostenübernahme und Verschreibungspraxis ändern sich – im Zweifel bei der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt oder der Sozialversicherung den aktuellen Stand erfragen.