Während Deutschland, Malta, Luxemburg und bald Tschechien den Eigenanbau erlaubt haben, ist eine Cannabis-Legalisierung in Österreich politisch weiterhin nicht in Sicht – nicht aus Mangel an Debatte, sondern weil sich die großen Parteien seit Jahren in derselben Blockade gegenüberstehen.
Wo die Parteien stehen
Die Grünen fordern seit Langem eine Entkriminalisierung nach dem Prinzip „Helfen statt strafen“ und lehnen die strafrechtliche Verfolgung von Konsumierenden grundsätzlich ab. Die NEOS positionieren sich ähnlich progressiv und sprechen sich für eine regulierte Legalisierung aus. Die SPÖ nimmt eine Zwischenposition ein: Parteichef Andreas Babler hat sich wiederholt grundsätzlich für eine Legalisierung ausgesprochen, die Partei selbst verfolgt aber eher den Ansatz „Therapie statt Strafe“ als eine vollständige Marktliberalisierung. ÖVP und FPÖ lehnen eine Legalisierung klar ab und verweisen auf Jugend- und Gesundheitsschutz als Hauptargument.
Was die Bevölkerung tatsächlich denkt
Anders als die politische Blockade vermuten lässt, ist die österreichische Bevölkerung bei diesem Thema keineswegs geschlossen ablehnend. Umfragen der vergangenen Jahre zeichnen ein wechselndes, aber tendenziell offenes Bild: Eine Erhebung fand eine knappe Mehrheit von 50 zu 44 Prozent für eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene, andere Befragungen kamen je nach Fragestellung auch zu einem knappen Vorsprung für die Gegenseite. Deutlich wird dabei ein Stadt-Land- und Alters-Gefälle: Zustimmung ist unter Menschen unter 30 Jahren und mit höherer Bildung überdurchschnittlich hoch, während sie im Umfeld der ÖVP-Wählerschaft deutlich niedriger ausfällt. Parteiübergreifend einig sind sich die Befragten in einem Punkt: Rund acht von zehn Österreicherinnen und Österreichern halten eine begleitende Aufklärungskampagne zu den Risiken des Konsums für junge Menschen für sehr wichtig – unabhängig davon, wie sie selbst zur Legalisierungsfrage stehen.
Warum sich politisch wenig bewegt
Mit einer zwischen SPÖ, ÖVP und NEOS verhandelten Koalition sitzen sowohl eine Partei mit vorsichtiger Reformbereitschaft (SPÖ) als auch eine mit klarer Ablehnung (ÖVP) am selben Verhandlungstisch – eine Konstellation, in der eine Legalisierung realistischerweise kein Koalitionsthema wird, selbst wenn sie unter einer FPÖ-ÖVP-Regierung noch repressiver ausgefallen wäre. Auch auf Landesebene zeigt sich die Blockade: Landtage wie der Salzburger haben Anträge zur Cannabis-Legalisierung wiederholt abgelehnt. Anders als in Deutschland, wo die Ampel-Koalition 2024 eine gesetzliche Mehrheit für das Cannabisgesetz hatte, fehlt in Österreich derzeit eine vergleichbare parlamentarische Konstellation.
Was sich trotzdem verschoben hat
Auch ohne formelle Legalisierung hat sich die Verwaltungspraxis in den vergangenen Jahren spürbar liberalisiert: Die diversionelle Behandlung geringer Mengen zum Eigenbedarf, wie im Cannabis-Artikel beschrieben, wird konsequenter angewendet als noch vor einem Jahrzehnt, und der Umgang mit CBD-Produkten hat sich trotz der komplizierten Rechtslage insgesamt geöffnet. Beobachter werten das als schrittweise, verwaltungsrechtliche statt gesetzgeberische Liberalisierung – ein Unterschied, der für Konsumierende in der Praxis zwar spürbar ist, rechtlich aber keine Sicherheit bietet, weil sich die Auslegung jederzeit wieder verschärfen lässt.
Der internationale Kontext verschärft den Vergleich
Mit jedem Nachbarland, das reformiert, wird Österreichs Position auffälliger: Deutschland erlaubt seit 2024 Eigenanbau und Cannabis Social Clubs, Tschechien zieht ab Jänner 2026 nach, Malta und Luxemburg haben bereits seit 2021 beziehungsweise 2023 liberalisiert. Innerhalb der EU wird Österreich damit zunehmend zur Ausnahme unter den deutschsprachigen und direkt angrenzenden Ländern – ein Umstand, der die politische Debatte zwar befeuert, aber bislang keine parlamentarische Mehrheit für eine Gesetzesänderung erzeugt hat.
Stand: Juli 2026. Die politische Lage kann sich mit neuen Koalitionsverhandlungen oder Gesetzesinitiativen kurzfristig ändern.